Leseprobe: Bad Boy Fake Love

Kapitel 1 Cooper

Die Musik aus den riesigen Lautsprechern meines Clubs Bloody Hell drang nur gedämpft in das Hinterzimmer, das mir als Büro diente. Heute war ich froh drum. Ich hatte Kopfschmerzen und konnte die kreischenden E-Gitarrenriffs nicht ertragen. Das Hämmern in meinem Kopf reichte aus, um mir schlechte Laune zu machen. Das Hämmern in meinem Kopf – und der Schuldenberg, der mir aus den Büchern entgegen starrte. Ich war pleite. Aber sowas von.

Seit wir unser Revier drastisch verkleinern mussten, um die Rivalitäten mit den Angry Bastards endlich beizulegen, waren die Einnahmen auf ein Minimum geschrumpft. Und es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, dass das Bloody Hell eine Goldgrube war. Eher das Gegenteil.

Es klopfte an der Tür.

Zur Hölle, ich hatte Mike und Ed doch gesagt, dass ich nicht gestört werden wollte. Missmutig stand ich auf und öffnete die massive Stahltür. Sofort malträtierte die schrille Musik meinen Kopf unbarmherzig wie ein Presslufthammer.

Ich verzog mein Gesicht zu einer Grimasse.

»Fuck, ihr Penner, was an den Worten ›Ich will nicht gestört werden‹ habt ihr nicht verstanden?«, fauchte ich die Jungs an, die die Köpfe einzogen wie getretene Hunde den Schwanz.

Ich angelte eine Zigarette aus der Brusttasche meines Hemdes. Sofort hielt mir Ed ein Feuerzeug unter die Nase.

»Sorry, Boss. Aber diese Trulla hier ist nerviger als eine Zecke am Sack«, keuchte Mike und strich sich verlegen über seine spiegelblanke Glatze, während er seine Augen nach hinten verdrehte.

»Trulla? Du hast sie doch nicht mehr alle!«, tönte es hinter Mikes und Eds gebirgsmassivähnlichen Rücken hervor und eine Sekunde später trat eine zierliche junge Frau vor mich.

Sie reckte mir entschlossen das Kinn entgegen, bevor sie weitersprach.

»Cooper Cruz?«

»Wer will das wissen?«, fragte ich abweisend, obwohl ich ganz genau wusste, wer da vor mir stand. Tiffany Bloomberg, die Tochter des Gouverneurs. Nur Godfather himself wusste, was das verzogene Gör hier wollte. Aber höchstwahrscheinlich würde sie mir das schon bald selbst erzählen. Das junge Ding wirkte nämlich nicht gerade so, als verschlage es ihr die Sprache beim Anblick knüppelharter Kerle.

»Tiffany. Tiffany Bloomberg. Ich weiß ja nicht, ob Leute wir ihr Nachrichten schaut, aber mein Dad ist der Gouverneur von New York.«

»Ich wüsste nicht, was dieser Umstand daran ändern sollte, dass du dich jetzt möglichst schnell von hier verpisst. Deine Blondierung setzt sonst einen Grauschleier an.« Ich blies ihr demonstrativ den Rauch auf den perfekt toupierten Pferdeschwanz.

»Pustekuchen! Ich werde mich keineswegs verpissen. Ich will dir ein Angebot machen. Ein Angebot, das du nicht ablehnen kannst.« Ihre blauen Augen blitzten mich siegessicher an.

Ich musste laut auflachen. Dieses Schulmädchen wollte mir ein Angebot machen? Wofür denn? Um gemeinsam rosarote Cupcakes zu backen und sie auf einer Charityveranstaltung für einen guten Zweck zu verkaufen?

»Also, was ist jetzt? Können wir reden?«, bohrte sie weiter.

Ich kniff meine Augen zusammen und sah sie listig grinsend an. Schön langsam fand ich Gefallen an dem kleinen Biest. Entschlossenheit ist nicht die schlechteste Eigenschaft, die man besitzen kann.

»Ich höre«, forderte ich sie daher auf, mir ihren Vorschlag zu unterbreiten. 

»Lass mich rein und schick deine Pitbulls weg. Unser Deal geht niemanden etwas an.«

Deal? Das wurde ja immer besser! Blondie schien nicht nur wild entschlossen, sondern vielmehr größenwahnsinnig zu sein.

Mike und Ed schauten mich unsicher an. Ich nickte ihnen zu und gab ihnen zu verstehen, dass alles in Ordnung war. Dann hielt ich Tiffany die Tür auf. Zielstrebig stapfte sie in mein Büro und hockte sich auf die Kante meines Schreibtisches.

»Sofort runter da«, bellte ich. Für Respektlosigkeiten dieser Art fehlte mir jedes Verständnis.

Tiffany lächelte nur.

Ich packte sie um die Hüften und hob sie in einen der Besucherstühle vor meinem Schreibtisch. Das ging so schnell, dass sie keine Zeit zum Protestieren hatte. Vielleicht wollte sie auch gar nicht protestieren. Keine Ahnung. Versteh einer die Weiber. Ich tat es nicht. Obwohl ich zugeben musste, dass sich die Kleine gar nicht schlecht anfühlte. Aber ich verdrängte diesen Gedanken sofort. Schließlich hatte ich bereits genug Probleme – da musste ich mir nicht auch noch eine Frau aufhalsen. Vor allem keine Frau wie Tiffany Bloomberg, bei der schon allein der Name Ärger genug versprach.

Mit nach unten gezogenen Mundwinkeln und skeptischem Blick setzte ich mich auf meinen schwarzen Ledersessel hinter den Schreibtisch. Tiffany hielt dem Augenkontakt stand. Nachdem wir uns eine Minute angestarrt hatten, beschloss ich, das Spielchen zu beenden.

»Also, was willst du von mir?«

»Wie gesagt, ich möchte dir ein Angebot machen.«

»Das wollen viele.«

»Meins wirst du nicht ausschlagen können.«

»Da bin ich anderer Meinung.« Ich lehnte mich zurück, verschränkte meine tätowierten Arme vor der Brust und grinste überheblich.

Tiffany ließ sich davon nicht im Geringsten beeindrucken. »Ich biete dir hundertfünfzigtausend Dollar, wenn du meinen Verlobten spielst.«

Ich musste laut lachen. Die Vorstellung war mehr als absurd.

»Hey Lady, ich bin nicht gerade das, was man einen Vorzeigeschwiegersohn nennt.«

»Ich weiß. Genau deshalb bist du der Richtige. Der einzig Richtige.«

Ungläubig schüttelte ich den Kopf. Was war denn das für eine wirre Idee? Ich sollte Tiffany Bloombergs Verlobten mimen? Das war ungefähr so, als würde Marilyn Manson mit Barbie ausgehen. Oder Hulk mit Cinderella. Oder …

Ach, was weiß denn ich! Auf jeden Fall würden wir ein extrem ungleiches Paar abgeben. Ein Paar, dem niemand abkaufen würde, dass es wirklich zusammen war. Und schon gar nicht der Gouverneur von New York.

»Und, machst du’s? Oder hast du nicht die Eier dazu in der Hose?« Tiffany starrte mich herausfordernd an.

»Eine Woche? Hundertfünzigtausend Dollar?«,wiederholte ich die Fakten, um Zeit zu schinden.

Ehrlich gesagt, wusste ich nicht, was ich tun sollte. Die Kohle konnte ich gut gebrauchen – aber auf diese Verlobtennummer hatte ich echt keinen Bock.

»Exakt. Und jetzt erzähl mir bloß nicht, das sei zu wenig. Erstens müsstest eigentlich du Geld dafür bezahlen, dass du eine Woche mit mir verbringen darfst. Und zweitens: Die Summe entspricht einem Stundenlohn von achthundertzweiundneunzig Dollar, wovon du einen guten Teil davon im Schlaf verdienen wirst.«

»Schlaf? Haben Verlobte nicht andauernd wilden, animalischen Sex?«

»Nein, haben sie nicht. Das steht hier.« Tiffany holte ein mehrfach gefaltetes Blatt aus ihrer lächerlich kleinen Handtasche.

Sie legte es vor mir auf den Schreibtisch. Die Überschrift lautete:

Vertrag

Der Vertragsnehmer Cooper Cruz erklärt sich damit einverstanden, Frau Tiffany Bloomberg auf den Familienwohnsitz in die Hamptons zu begleiten und eine Woche lang als ihr Verlobter aufzutreten. Für diese Leistung wird ein Entgelt von 150.000 (in Worten: hundertfünfzigtausend) Dollar entrichtet, das einen Tag nach Erbringung der Leistung auf das Konto des Vertragsnehmers überwiesen wird.

Mit der Unterzeichnung dieses Vertrages gehen bestimmte Verpflichtungen einher, die im Folgenden aufgelistet werden. 

– Der Vertragsnehmer versichert, jede sexuelle Annäherung an Tiffany Bloomberg zu unterlassen.

– Er erklärt sich bereit, vor der Anreise ein zehnseitiges Dossier durchzuarbeiten und sich mit der Familie Bloomberg vertraut zu machen.

– Des Weiteren garantiert der Vertragsnehmer, jeder Anweisung von Tiffany Bloomberg ohne Widerrede Folge zu leisten.

– Sollte der Vertragsnehmer auch nur eine dieser Verpflichtungen ignorieren, erlischt sein Anspruch auf die Vergütung.

Ein breites Grinsen stahl sich auf mein Gesicht, als ich den Unsinn durchgelesen hatte. Die Kleine kam sich wohl besonders schlau vor.

»Hast du das selbst geschrieben?«, fragte ich lachend.

»Ja, habe ich«, sagte sie nicht ohne Stolz in der Stimme. »Ich studiere Medienkommunikation mit Nebenfach Jura und mache bald meinen Abschluss. Der Vertrag hat also Hand und Fuß.«

»Ach, wirklich?«, erwiderte ich und zerriss das lächerliche Schriftstück in zwei Teile.

»Hey, was soll das?« Tiffany sprang auf, stützte sich mit den Händen am Schreibtisch ab und funkelte mich böse an.

»Was das soll, Schätzchen? Das erklärt dir Daddy gerne.«

Ich stand auf, ging um den Schreibtisch herum und stellte mich vor sie. Nah vor sie. Dann griff ich nach ihrer Hand. Ich konnte spüren, wie sie leicht zusammenzuckte. Außerdem bildete ich mir ein, dass ihre Wangen eine Spur blasser wurden, aber ihre sorgfältig aufgetragene Schminke kaschierte das ganz gut.

»In meinen Kreisen werden Verträge per Handschlag geschlossen.« Ich schaute ihr fest in die Augen. »Dabei macht der Stärkere die Regeln. Und das bin in unserem Fall ja wohl eindeutig ich.« Unsanft drückte ich ihre Hand.

Sie versuchte, ein unbeteiligtes Pokerface zu machen, aber ich konnte sehen, dass sie am liebsten die Zähne zusammengebissen hätte. Tja, selber schuld. Wer die Gefahr suchte …

»Hundertfünfzigtausend Dollar in bar, fünfzig Prozent Anzahlung in den nächsten drei Tagen. Keine Maßregelungen deinerseits. Wenn ich Lust habe, dir einen Klaps auf den Po zu geben, werde ich das tun. Mit dieser Emanzennummer brauchst du mir gar nicht zu kommen. Und noch was, Baby, Verlobte haben Sex. Heißen Sex. Ich hoffe, das ist dir bewusst.« Nur mit äußerster Anstrengung schaffte ich es, mein böses Buben Gesicht beizubehalten.

Es war einfach zu komisch, in Tiffanys ängstlich flackernde Augen zu sehen. Sie dachte echt, dass ich es auf Sex mit ihr abgesehen hatte! Oh Mann, immer diese verzogenen Gören, die sich für unwiderstehlich hielten.

»Um einen Vertrag per Handschlag zu besiegeln, müssen erst die Vertragsbedingungen genannt werden, dann obliegt es beiden Parteien, ob sie einschlagen wollen oder nicht. Es ist ungültig, wenn du erst nach meiner Hand greifst, dann abstruse Forderungen aufzählst und schließlich wie Hulk zudrückst«, erklärte mir Tiffany neunmalklug.

»Wie gesagt, Frau Professorin: Der Stärkere bestimmt die Regeln. Ich würde also behaupten: Wir haben einen Deal. Du darfst deinen Verlobten jetzt küssen.« Ich rückte noch näher an sie heran, meine Lippen berührten fast ihren sinnlichen Mund..

Zugegeben, ich wäre nicht abgeneigt gewesen, kurz von dieser verbotenen Frucht zu kosten, aber es war auch ganz nett anzusehen, wie Tiffany das kratzbürstige Kätzchen spielte.

»Untersteh dich, du Schuft. Geh bloß weg von mir.« Sie schubste mich von sich. »Ich bringe dir das Geld übermorgen vorbei. Dann klären wir die Details. Wo wohnst du?«

»Das geht dich einen feuchten Dreck an. Komm mit der Kohle wieder ins Bloody Hell. Nicht vor zweiundzwanzig Uhr. Oder darfst du unter der Woche noch nicht so lange aufbleiben?« Ich schenkte ihr mein schönstes Lächeln.

Sie streckte mir ihren Mittelfinger entgegen und machte auf dem Absatz kehrt. Ohne ein Wort des Abschieds verschwand meine zukünftige Fake-Verlobte aus meinem Büro.

Noch immer lächelnd sah ich ihr hinterher. Okay, ihrem Hintern hinterher. Der war nämlich eine glatte Zehn. Ihre Titten übrigens auch.

Das könnte eine spaßige Woche werden. Ich wollte sowieso schon lange einmal wieder in die Hamptons – vor allem, wenn ich dafür so fürstlich vergütet wurde. Und mit dem Gouverneur hatte ich auch ein Hühnchen zu rupfen. Die weiße Weste dieses Mannes war nämlich aus der Nähe betrachtet eher grau. Dunkelgrau.

Kapitel 2 Tiffany

»Tiffany, Liebes, wir müssen jetzt endlich über die Hamptons sprechen.« Meine Mutter bedachte mich mit einem ihrer überaus strengen »Ich-bin-deine-Mutter-und-es-ist-mir-wirklich-ernst-damit«-Blicke und stocherte pikiert in ihrem Salat ohne Dressing herum.

»Du meinst, wir müssen über Kevin Bristol sprechen, nicht wahr?« Ich schenkte ihr ein gezwungenes Lächeln.

Also, bitte nicht falsch verstehen, ich liebte meine Mutter. Sie war eine tolle Frau. Aber sie wollte mich mit Kevin Bristol verkuppeln. Und das war alles andere als toll. Kevin Bristol war nämlich ein Langweiler, wie er im Buche stand. Ein wohlhabender, erfolgreicher und einigermaßen gut aussehender Langweiler zwar, aber trotzdem. Ich hatte es satt, wie ein kleines Mädchen behandelt zu werden.

Ja, ich war privilegiert. Ja, ich lebte ein Leben, um das mich viele beneideten. Ja, ich war ein verzogenes Gör. Aber das bedeutete noch lange nicht, dass ich Kevin Bristol heiraten würde. Nur, damit die politische Karriere meines Vaters gesichert und das gesellschaftliche Ansehen meiner Mutter gesteigert wurden. Nein, niemals!

Ich war fünfundzwanzig, ich wollte die Freiheit der Jugend spüren und aufregende Abenteuer erleben. Und nicht mit einem sesselpupsenden Anwalt auf bescheuerten Charitypartys herumstehen und distinguierten Small Talk über den letzten Karibikurlaub oder die beste Quelle für ökologisch korrekt lebenden Wildlachs halten.

»Deine Mutter hat recht«, schaltete sich mein Vater ein. »Wir sollten Kevin Bristol unbedingt in die Hamptons einladen. Er ist ein überaus charmanter junger Mann, der –  ganz nebenbei bemerkt – einen Narren an dir gefressen hat.«

»Ach so, und ich dachte – ganz nebenbei bemerkt – dass ihr einen Narren an ihm gefressen habt, weil er der Sohn des Senators ist.« Ich steckte mir eine Olive in den Mund und grinste Dad spitzbübisch an.

Er fand das gar nicht lustig. Sein markantes Gesicht verdunkelte sich.

»Tiffany, ich bitte dich! Wie kommst du denn auf so etwas? Niemals würden wir unsere eigenen Interessen über dein Liebesglück stellen.« Er schaute mich entrüstet an, aber das war nur gespielt.

Dad war ein guter Schauspieler, ein sehr guter sogar, klar, schließlich war er Politiker. Aber mich täuschte er damit nicht. Dafür kannte ich ihn einfach zu gut.

»Gut, wenn das so ist und euch mein Liebesglück so sehr am Herzen liegt, dann freut ihr euch bestimmt über das, was ich euch gleich verkünden werde.« Ich hatte zwar vorgehabt, ihnen meine »Verlobung« etwas schonender beizubringen, aber wenn Dad mir schon so eine Steilvorlage lieferte …

»Wie meinst du das, Liebes?«, fragte meine Mutter skeptisch.

Sie versuchte sogar, ihre Stirn in Falten zu legen, was ihr aber aufgrund der letzten Botoxbehandlung nicht besonders gut gelang. Mein Vater hingegen zog seine buschigen Augenbrauen zusammen und musterte mich äußerst alarmiert.

»Ich habe mich verlobt«, verkündete ich freudestrahlend. »Der Kerl ist eine Wucht. Ich bin mir sicher, ihr werdet ihn mögen.«

»Kerl? Wucht? Irgendwie gefällt mir gar nicht, wie du von deinem Zukünftigen sprichst. Wer ist der Junge?« Meine Mutter wirkte nun ernsthaft besorgt.

»Junge trifft es wohl nicht ganz. Cooper ist ein gestandener Mann. Einer, der weiß, wie man Frauen glücklich macht.«

»Cooper? Nein, bitte, Kind, sag, dass das nicht wahr ist!« Mein Vater riss schockiert die Augen auf. »Du hast dich mit Cooper Walton verlobt? Wie alt ist der mittlerweile? Siebzig?«

»Dad! Ich date doch keine Mumie!« Typisch, dass mein Vater sofort wieder an einen steinreichen Pinkel aus seinem erlesenen Freundeskreis denken musste. »Nein, mein Cooper ist im besten Alter und stark wie ein Stier. Er ist eine Naturgewalt von Mann. Ihr werdet ihn lieben!«

»Jetzt mal langsam, Tiffany. Wir wissen deine Begeisterungsfähigkeit ja sehr zu schätzen. Aber eine Verlobung ist doch nichts, was man einfach so aus dem Ärmel schüttelt. Du hast uns den Glücklichen gar nicht vorgestellt. Wir hätten euch schon gerne unseren Segen gegeben.«

»Genau«, pflichtete Mum meinen Vater bei, »und außerdem, wenn ihr verlobt seid, wo ist dein Ring?« Sie schielte auf meine linke Hand.

»Ähm, der Ring, der …«

Shit, daran hatte ich gar nicht gedacht!

»… ja, der ist beim enger machen. Aber morgen kann ich ihn abholen«, presste ich mit einem gezwungenen Lächeln hervor. »Auf jeden Fall begleitet mich Cooper in die Hamptons. Es wäre daher eher ungünstig, Kevin ebenfalls einzuladen.«

Meine Eltern warfen sich vielsagende Blicke zu. Unseren traditionellen Familienurlaub hatten sie sich definitiv anders vorgestellt.

Es war mein Vater, der sich als Erster wieder fing. Mit einem respekteinflößenden Räuspern verschaffte er sich Gehör.

»Gut, Tiffany. Du bist erwachsen. Wir freuen uns darauf, deinen Verlobten kennenzulernen. Bis dahin werde ich allerdings den Zugriff auf deine Fonds und Vermögenskonten sperren. Ich möchte mich erst vergewissern, was dieser Cooper im Schilde führt.« Dad legte seine Hand auf die meine.

Mum atmete erleichtert aus. Sie musste vor Anspannung die Luft angehalten haben. 

»Aber Dad! Was soll Cooper im Schilde führen? Er liebt mich! Außerdem muss ich noch shoppen gehen, bevor wir aufbrechen«, stieß ich entsetzt hervor.

Abgesehen davon, dass ich fünfundsiebzigtausend Dollar als Anzahlung brauchte. Aber das sollte ich wohl besser nicht erwähnen.

»Keine Sorge, mein Engel. Dein Girokonto bleibt dir natürlich erhalten.« Er lächelte mich gütig an.

Mist! Auf meinem Girokonto waren gerade mal ein paar tausend Dollar – bei weitem nicht genug für die Anzahlung. Irgendwie musste ich Cooper davon überzeugen, dass die Bezahlung erst erfolgen würde, wenn er seine Aufgabe in den Hamptons erfüllt hatte. Bis dahin würde sich Dad die Zugriffssperre auf mein Vermögen hoffentlich wieder anders überlegen. Oder auch nicht. Ich war einfach sein kleines Küken, das er beschützen wollte. Auch wenn er es manchmal mit seiner Fürsorge übertrieb.

Ich war echt froh, wenn ich endlich meinen Abschluss in der Tasche hatte – dann konnten meine Eltern nämlich nicht mehr über das Erbe meines Großvaters bestimmen. Aber bis dahin vergingen noch ein paar Monate.

Dummerweise hatte ich das Gefühl, dass Cooper das nicht besonders gefallen würde.